Bergisches Sonntagsblatt, 9. November 2002

 

"Ein Bestatter in dunkler Vergangenheit"

Das Bergische Sonntagsblatt (BSB) interviewte Reiner M. Sowa 

Zum dritten Mal präsentiert der Bergisch Gladbacher Heider Verlag einen höchst brisanten Kriminalroman aus der Feder von Reiner M. Sowa. Das Bergische Handelsblatt interviewte den Autor, der als Erfinder der Bestatter-Romane gilt.

 BSB:     Das Konzept des Bestatter-Krimis ist aufgegangen, Herr Sowa. Ihre Bücher sind in aller Munde. Der neue Titel “Ein Bestatter in dunkler Vergangenheit“ suggeriert einen historischen Roman.

Sowa:     Auf den ersten Blick scheint es so. Allerdings beginnt das neue Buch höchst aktuell: Am Rande des Spring- und Dressurturniers, wie es alljährlich vom Reitverein Hebborner Hof e. V. veranstaltet wird, findet der Landrat höchstpersönlich ein totes Kind. Zur gleichen Zeit erhält der Bestatter Ulrich Schwartz eine E-Mail, die ihn zu einem Grab führt, das die bedrückende Geschichte des Bensberger Schlosses lebendig werden lässt, als es noch Nationalpolitische Erziehungsanstalt und KZ-Außenlager war. 

BSB:     Das heißt, Sie bearbeiten in Ihrem neuen Thriller Gegenwart und Historie.

Sowa:     Ja, beides hat in etwa den gleichen Anteil. Sie müssen sich das Buch konzeptionell wie einen Zopf vorstellen. Während die Kommissare Barbara Reuter und Gerd Kascheck versuchen, den grauenhaften Kindesmord aufzuklären, gerät der Bestatter mit seinen Recherchen um das Grab in die dunkle Vergangenheit des Bensberger Schlosses. Es ergeben sich schreckliche Parallelen, die die Polizei zunächst ignoriert, die aber den Bestatter anspornen nachzugraben, zumal die Eltern des verstorbenen Kindes ihn mit der Beerdigung beauftragt haben. Der Bestatter und die Kommissare geraten in den Strudel weiterer Morde und stoßen auf eine verschüttete Spur aus vergangener Zeit.

BSB:     Beide Zopfstränge klingen sehr brisant. Sie haben viele Jahre als Kriminalhauptkommissar gearbeitet. Wie realitätsnah ist die Handlung?

Sowa:     Wenn Sie fünfundzwanzig Jahre Kommissar waren, können Sie Ihr Wissen um Personen und Ereignisse nicht abschütteln, das fließt ein, entweder bewusst oder unbewusst. 

BSB:     Der Bestatter Ulrich Schwartz ist auch in diesem Roman wieder eine zentrale Figur. Wie kamen Sie auf die Idee, einen Bestatter zum Romanhelden zu machen?

Sowa: Der Bestatter ist die letzte irdische Instanz in unserem Leben. Wenn der Polizei bei der Leichenschau Fehler unterlaufen sind oder wenn sogar der Gerichtsmediziner etwas übersehen hat, kann der Bestatter, der den Leichnam einsargt, immer noch Spuren feststellen, die durchaus zur Aufklärung des Falles führen können. Das habe ich als Ermittler persönlich erlebt und aus diesem Erlebnis heraus den Bestatter-Krimi entwickelt. 

BSB: Der Schauplatz Ihrer Romane ist das Bergische Land. Wo genau werden die Romanhelden in dem neuen Band aktiv?

Sowa: „Ein Bestatter in dunkler Vergangenheit“ führt uns natürlich zum Bensberger Schloss, aber auch in die Bergisch Gladbacher City und nach Hebborn. Zudem spielen die Städte Wermelskirchen, Lindlar und Lohmar eine wesentliche Rolle.

BSB:     Trotz des Lokalkolorits werden Ihre Bücher auch außerhalb des Bergischen Landes gelesen. Die ARD-Nachrichten haben über Sie und Ihre Romane berichtet, häufig werden Sie zu Lesungen von Ostfriesland bis München eingeladen. Wie erklären Sie sich das überregionale Interesse?

Sowa:     Diese Frage könnten sicherlich die Leser aus Nord- oder Süddeutschland besser beantworten. Es scheint, als ob die Mischung aus einem eloquenten Bestatter und einem hartnäckigen, unkonventionellen Kommissar im wunderschönen Ambiente des Bergischen Landes die richtige Würze für einen kurzweiligen Lesegenuss bietet.

BSB:     Zudem hat jedes Ihrer Bücher ein anderes Strickmuster mit hohem Informationsgehalt. Herr Sowa, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Reiner M. Sowa: Ein Bestatter in dunkler Vergangenheit. Heider Verlag Bergisch Gladbach, 260 Seiten, Hardcover, Euro 13,80, ISBN 3-87314-378-X

 

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Reiner M. Sowa:
Ein Bestatter in dunkler Vergangenheit
Ein Geflecht aus Gegenwart und Historie, das in die Abgründe der Vergangenheit des Bensberger Schlosses führt, als es Nationalpolitische Erziehungsanstalt und KZ-Außenlager war.