Pol’Art

Les Rencontres Européenes du Polar et de l’Art

9. bis 11. Juni 2005, Paris / Frankreich

Im Laufe des Jahres 2004 begannen Christine Walter-Boule und Elodie Martin (Bild) mit den Vorbereitungen eines ersten Treffens europäischer Kriminalschriftsteller in Paris. 

Vom 9. bis 11. Juni 2005 konnte „Pol’Art – Les Rencontres Européenes et de l’Art“ dann in Paris stattfinden. Autorinnen und Autoren aus Albanien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Norwegen, Portugal, Schweden und Spanien trafen sich für drei Tage zu Diskussionen und Lesungen in Paris. Aus Deutschland waren Doris Gercke, Hans Werner Kettenbach, Hans Joachim Schädlich und Reiner M. Sowa eingeladen, deren Romane auch in Frankreich erschienen sind. Als Mitglied des Syndikats war Thomas Przybilka eingeladen. 

„Déclinaison Communication“ war es gelungen, hochkarätige Sponsoren zu finden: die verschiedenen Kulturinstitute aus den Ländern der beteiligten Autoren, die Bibliotheken der Stadt Paris, die Stadt Paris selbst und Unternehmen wie Easy Jet, Eurostar oder Thalys.

Die Veranstaltung selbst war in drei Schwerpunkte unterteilt: „Tables Rondes“ zu „Le polar européen“ (9.6.) / „Approche économique et sociologique“ (10.6.) / „Passerelles vers la création visuelle“ (11.6.). Zu jedem Schwerpunktprogramm gab es in Takten von 1 bis 2 Stunden Podiumsdiskussionen zu diversen Aspekten. So wurde z.B. Reiner Sowa um Meinung zu „Approche sociologique – qui sont les auteurs? qui sont les lecteurs?“ gebeten; Thomas Przybilka sollte sich zu „Perspectives économiques“ äußern. Die Podiumsdiskussionen wurden von gut vorbereiteten (französischen) Moderatoren geleitet, die Beiträge der Diskutanten erfolgten in der jeweiligen Muttersprache. Jedem Teilnehmer der „Tables Rondes“ stand ein Dolmetscher zur Verfügung (im Fall von Sowa und Przybilka war dies der Paris-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung).

Erfreulich war zudem, dass Frau Walter-Boule (Bild) und Frau Martin ebenfalls wichtige Multiplikatoren wie Lektoren und Übersetzer eingeladen hatten, aber auch dafür gesorgt hatten, dass die „big-shots“ der europäischen Krimi-Lexika und Krimi-Bibliographie sich austauschen und diskutieren konnten (für Frankreich war dies Claude Mesplède und Catherine Chauchard, für Spanien Jordi Canal, für Italien Tecla Dozio und für Deutschland Thomas Przybilka).

Wie einige andere Teilnehmer auch, wurde Thomas Przybilka (Bild) vom Rundfunksender „France Culture“ und Reiner M. Sowa vom Krimi-Magazin „813“, der Zeitschrift „Paris-Berlin“ und dem „Bosniaexpress“ zu Interviews gebeten.

Thomas Pryzbilka (Bild) hatte ein längeres Gespräch mit Dr. Reygnier von der Université Paris X. Frau Dr. Reygnier ist auch als Lektorin und Gutachterin für deutsche Kriminalromane zuständig, um diese für eine Übersetzung ins Französische empfehlen zu können. Thomas Przybilka konnte sie auf einige Kolleginnen und Kollegen des Syndikats aufmerksam machen. Deren Krimis wird sie bei den Verlagen anzufordern und für eine eventuelle Übersetzung begutachten.

Die deutschen Autoren nahmen darüber hinaus Termine bei ihren französischen Verlagen und Übersetzerinnen wahr, so dass es kaum Zeit zum Sightseeing gab.

Einige Kriminalschriftsteller kamen in den Genuss einer Privatführung durch die „Bibliothèque de littératures policière" (BILIPO). Catherine Chauchard, Direktorin dieser Spezialbibliothek, gab einen Einblick in die Medienvielfalt, die im Zentrum der Stadt auf zwei Etagen nicht nur französischsprachige Werke der Kriminalliteratur, sondern auch Bücher aus aller Welt zu den Themen Kriminalität, Polizei und Spionage enthält.

Zur Entspannung fand am 10. Juni ein Empfang der Teilnehmer beim Bürgermeister von Paris durch Christophe Girard (Adjoint au maire de Paris, chargé de la Culture) und Hélène Font (Directrice des Affairs culturelles de la ville de Paris) statt – selbstverständlich mit Champagner und reichlich fingerfood. Der Spaßfaktor wurde am Abend des 10. Juni durch ein „Crime Fiction Reading Slam“ bestritten. Ein professioneller Slam-Moderator ließ über die Lesungen diverser Autoren abstimmen. Gelesen wurde in der Muttersprache, der Text war vorher übersetzt worden und wurde für das Publikum auf die Bühnenleinwand projiziert. Slam-Winner wurde Andrea G. Pinketts aus Italien.

Einziger Wermutstropfen von „Pol’Art“: das Hotel der Teilnehmer lag in einem Vorort von Paris, der Veranstaltungsort dafür nahe dem Zentrum der Stadt. So hatten die Teilnehmer jedenfalls ausreichend Gelegenheit, diverse Metrostationen und verschiedene Metrolinien kennen zu lernen und werden garantiert das Pariser Metrosystem auch noch in Jahren verinnerlicht haben.

Anders als die Criminale, die sich vor allem an das Lesepublikum richtet, zog dieses erste Pariser Schriftstellertreffen mit seiner literaturwissenschaftlichen Ausrichtung insbesondere Journalisten, Multiplikatoren und – natürlich – Literaturwissenschaftler an.

© by Thomas Przybilka und Reiner M. Sowa 2005

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